Altersvorsorge
Die größten Fehler bei der Altersvorsorge
Berlin. Die Versicherungsbranche schlägt Alarm: Die Deutschen legen zu wenig Geld fürs Rentenalter zurück.
Wegen der Überalterung und des sinkenden Rentenniveaus droht Altersarmut. Das sehen auch Verbraucherschützer so, die - anders als die Versicherer - kein Eigeninteresse an einem florierenden Geschäft mit privaten Rentenverträgen haben. Doch besonders bei der Altersvorsorge setzen viele Anleger Tausende Euro in den Sand.
Was läuft bei der privaten Altersvorsorge häufig schief?
Viele Verbraucher beschäftigen sich nur ungern mit dem Thema. "Das wird so hoppla hopp gemacht", sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest". Dabei gehe es bei der Entscheidung für oder gegen einen Riester-Rentenvertrag um Zehntausende Euro, mehr als beim Kauf eines Autos oder eines Sofas. "Aber auf eine Altersvorsorge kann man sich nicht setzen", sagt der Verbraucherschützer, sie sei für viele zu abstrakt, um sie mit ähnlich viel Herzblut anzugehen wie die Entscheidung im Möbelhaus.
Was macht die Entscheidung so schwer?
Niels Nauhauser, Finanzexperte in der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, kritisiert das Fehlen unabhängiger Beratung. Die Verkäufer der Produkte hätten knallharte Interessen und stünden oft unter erheblichem Druck, hohe Provisionen zulasten der Kunden zu verdienen. An erster Stelle müsse aber gute Beratung stehen, die auf die persönlichen Bedürfnisse und die Lebenssituation des Einzelnen eingehe. Das komme aber in der Praxis viel zu kurz.
"Die meisten werden von ihrem Bankberater angequatscht oder von Strukturvertrieben heimgesucht", sagt Nauhauser. Die wollten aber vor allem ihre Produkte verkaufen. Für viele Verbraucher sei es aber rentabler, erst einmal einen Kredit abzuzahlen, als eine Rentenversicherung abzuschließen, die mit hohen Kosten verbunden sei.
Woran sollten Verbraucher denken, bevor sie sich auf eine Form der Altersvorsorge festlegen?
"Wer mehr weiß, ist klar im Vorteil", sagt Nauhauser. Informieren können sich Verbraucher über Ratgeberliteratur, eine Checkliste hält das Bundesverbraucherschutzministerium bereit ( http://url.dapd.de/jpS0pY ). Die Verbraucherzentralen bieten Beratung an, ebenso gibt es Honorarberater. Diese beiden Lösungen kosten zwar Geld, können wegen ihrer Unabhängigkeit die Sparer aber viel günstiger kommen als der Abschluss eines zu teuren Vertrags.
Welche Formen der Altersvorsorge sind zu empfehlen?
"Jede Form des Vermögensaufbaus ist auch Altersvorsorge", sagt Verbraucherschützer Nauhauser - egal ob Eigenheim, Festgeld, die Tilgung von Krediten, Bank- oder Bausparpläne oder der Kauf von Aktienfonds. Viele private Rentenversicherungsverträge, ob mit oder ohne Riester-Förderung, seien dagegen nach Abzug der Kosten nicht sonderlich rentabel und dafür zu unflexibel. Gleichwohl schließt er Rieser-Renten oder eine betriebliche Vorsorge nicht grundsätzlich aus. Es komme eben auf den Einzelfall an.
Deutlich positiver beurteilt dagegen Tenhagen die Rieser-Rente, besonders wegen der staatlichen Förderung. Wer eine Immobilie kaufen wolle, sollte sich für das Bau-Riestern entscheiden, für Mieter kämen ein Fonds- oder Banksparplan infrage. Er wirbt für die Ergebnisse der regelmäßigen Untersuchungen seines Magazins "Finanztest". In den Tests werde vor allem überprüft, ob die Kosten erträglich gestaltet seien und das Management gut sei.
Woher soll ich wissen, wie viel Geld mir als Rentner fehlen wird?
Bei den meisten Bürgern dürfte allein die gesetzliche Rente nicht ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Die Stiftung Warentest rechnet kostenlos aus, wie groß die Kluft zwischen dem letzten Nettoeinkommen im Berufsleben und der ersten Rentenzahlung sein wird: test.de/rentenluecke .
(dapd)
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