Banken-Stresstests
Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den europäischen Banken-Stresstests
Berlin. Am (heutigen) Freitag werden die Ergebnisse der nächsten Bankenstresstests veröffentlicht. Vorab gab es viel Kritik, vor allem aus Deutschland. dapd sendet Fragen und Antworten.
Warum wird getestet?
Prüfungen, ob Banken gegen Konjunktureinbrüche gewappnet sind, gibt es schon lange. Seit vergangenem Jahr werden die Ergebnisse EU-weit veröffentlicht. Dafür gibt es zwei Gründe: Die Ergebnisse sollen Investoren und Kunden beruhigen. Und die Veröffentlichung der Ergebnisse soll die Banken dazu zwingen, ihre Kapitalpuffer zu verstärken - um weniger verwundbar zu werden. Um die Transparenz zu erhöhen, werden die Banken in diesem Jahr auch gezwungen, ihre Bestände an Staatsanleihen von Schuldensündern wie Griechenland offenzulegen.
Was wird getestet?
Das Schock-Szenario ist ein Konjunktureinbruch in der EU um vier Prozentpunkte gegenüber den Prognosen. Simuliert werden steigende Arbeitslosigkeit, höhere Zinsen, Kursverluste, ein Verfall des Dollars. Alle 91 Banken mussten beweisen, dass die Quote für ihr hartes Kernkapital selbst dann in den kommenden zwei Jahren nicht unter fünf Prozent sinkt. Eine Pleite Athens wird in dem Test aber nicht simuliert.
Warum droht Gefahr?
Die Kritik richtet sich gegen zwei Punkte: Zum einen erkennt die Europäische Bankenaufsicht EBA Stille Einlagen nicht an. Das ist eine in Deutschland übliche Praxis, mit der sich Länder an den Landesbanken beteiligen. Die EBA verlangt, dass die Stillen Einlagen in Stammkapital umgewandelt werden. Weil die Helaba das nicht fristgerecht erledigte, kam sie in die Bredouille. Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) sieht in den Regeln der europäischen Bankenaufseher einen «Affront gegen die deutschen Landesbanken». Eine kerngesunde Bank werde an den Pranger gestellt, schimpfte Helaba-Chef Hans-Dieter Brenner.
Größere Gefahr droht wohl aber durch die Pflicht, den Bestand an riskanten Staatsanleihen offenzulegen. Die Informationen über den zusätzlichen Absicherungsbedarf, etwa für den Fall einer Griechenland-Pleite, könnten Investoren für Wetten gegen die Banken ausnutzen. Dadurch könnte Nervosität noch gesteigert werden, warnt der Bundesverband deutscher Banken.
Was müssen die durchgefallenen Institute tun?
Ihre Kernkapitalquote erhöhen. Bis Ende September müssen die Banken den nationalen Aufsehern erklären, wie sie ihre Puffer verstärken. Für die Umsetzung bleibt ihnen Zeit bis Jahresende. Für die Banken, die das aus eigener Kraft nicht schaffen, müssen die Staaten einspringen - mit Steuergeld. Aber auch die Verkleinerung von Geldhäusern ist eine Möglichkeit.
Was steht für die EBA auf dem Spiel?
Für die EBA ist der Stresstest die Bewährungsprobe. Zwar wurden schon im Vorjahr Ergebnisse veröffentlicht. Aber eine eigenständige Europäische Bankenaufsicht mit weitreichenden Kompetenzen wurde erst Anfang des Jahres eingesetzt. Bei der Durchführung der Tests musste die EBA ein Dilemma lösen: Zu einfache Regeln und zu gute Ergebnisse würden ihre Glaubwürdigkeit untergraben, wie bei der letzten Runde geschehen. Zu strenge oder zweifelhafte Auflagen könnten die Krise aber anheizen, statt zu beruhigen. Ob die EBA den richtigen Mittelweg gefunden hat, wird sich am Montag zeigen, wenn die Märkte auf die Ergebnisse reagieren.
(dapd)
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