idivus.com/ Marco Hamburger
Das Online-Leben nach dem Tod - Marco Hamburger im Interview
Berlin. Was geschieht mit meinem Onlinebesitz, falls mir mal etwas zustößt? Sollen meine Angehörigen meine Profile löschen oder weiterpflegen? Woher wissen sie überhaupt, welche Accounts ich hatte? Fragen, über die sich die wenigsten Menschen Gedanken machen. Und doch sind sie wichtig. Der Onlinedienst idivus.com ist eine mögliche Antwort auf diese Fragen. Marco Hamburger, Mitgründer des Unternehmens, erklärt die Idee der digitalen Nachlassverwaltung.
Business-on.de: Wie sieht Ihr Online- Leben aus? Wie viele Accounts für Communities, Social-Bookmarks oder Messengerdienste haben Sie im Web?
Marco Hamburger: Da kommt so einiges zusammen: vier Messenger, sechs oder sieben Communities, die ich regelmäßig nutze, locker das doppelte an alten Accounts, die noch bestehen sowie dutzende Kundenkonten bei Ebay, Amazon & Co. Denn fast überall wo man mal online eingekauft hat, bekommt man auch direkt ein Konto. Viel wesentlicher sind für mich jedoch die Kontakte, die ich online habe. Durch einige Umzüge und eine Zeit im Ausland sind meine Kontakte weit verstreut. Mit vielen halte ich fast nur via facebook oder stayforfriends Kontakt. Meine Familie kennt von denen fast niemanden, wüsste also im Fall der Fälle gar nicht, dass diese Freunde existieren und könnte sie daher auch nicht informieren.
Business-on.de: Das klingt nach dem Dasein eines durchschnittlichen Internetnutzers. Ihr Onlinedienst idivus kümmert sich um den digitalen Nachlass einer Person- in deren Todesfall. Der Nutzer kann seinen Online-Besitz, die erwähnten Accounts und Daten, bei Ihnen hinterlegen und verwalten lassen. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Marco Hamburger: Der Nutzer lässt nicht verwalten, sondern verwaltet selbst. Nur der Nutzer selbst hat Zugriff auf seine eigenen Daten. Die Idee für idivus liegt eigentlich auf der Hand, nur denken die wenigsten jungen Nutzer darüber nach. Mit dem eigenen Ableben beschäftigt man sich eben nicht so gerne. Aber es kommt doch ab und zu vor, dass Menschen unerwartet sterben. Für den materiellen Nachlass gibt es ja Regelungen, die greifen, auch wenn kein Testament vorhanden ist. Aber wie ist das mit digitalem Nachlass, vorausgesetzt, er ist überhaupt vollständig bekannt? idivus bietet hier eine praktische und sichere Lösung, wie Nutzer selbst bestimmen können, ob und wer Zugriff auf welchen digitalen Nachlass bekommt.
Business-on.de: Das Online- Leben nach dem Tod ... . Ein Thema, das in Zukunft an Bedeutung gewinnt?
Marco Hamburger: Es ist doch schon eine interessante Frage, was mit Profilen, Accounts, Fotodatenbanken usw. passiert, wenn ein Nutzer nicht mehr lebt. Woher weiß der Dienst das? Wie geht der Dienst mit dem Ableben eines Nutzers um? Wie kann ein sinnvoller Kompromiss zwischen der Verpflichtung zum Datenschutz und dem Interesse der Angehörigen am digitalen Nachlass aussehen? Das sind teilweise sehr persönliche, intime Angelegenheiten, denen Rechtsvorschriften nur unzureichend gerecht werden.
Business-on.de: Beschreiben Sie bitte, wie Ihre Dienstleistung funktioniert. Wie erfahren Sie vom Tod eines idivus- Nutzers, wie informieren Sie die Hinterbliebenen?
Marco Hamburger: Mit idivus können die Nutzer ihren digitalen Nachlass selbst nach eigenem Wunsch organisieren und sicherstellen, dass die Familie mit allen Freunden in Verbindung treten kann. In einem Onlinesafe speichert er alle relevanten Daten und kann Nachrichten für Freunde hinterlassen, die erst im Fall des Falles versendet werden. Hierfür benötigt er einen Nutzernamen und ein Passwort. Zusätzlich definiert er einen Schlüssel, mit dem die Daten zusätzlich sicher verschlüsselt werden. Logindaten und Schlüssel übergibt der Nutzer einer oder mehreren Vertrauenspersonen aus seinem engsten Umfeld, die mit Sicherheit zuerst vom Tod des Nutzers erfahren. Die Vertrauensperson kann dann mit Hilfe der hinterlegten Kontaktdaten die hinterlegten Kontakte informieren und die vorformulierten Nachrichten absenden. idivus ist in diesen Prozess nicht aktiv eingebunden.
Business-on.de: Welche Kosten entstehen für dieses Angebot?
Marco Hamburger: Wir bieten eine kostenlose Testphase von 4 Wochen an. Danach kostet der Account 1,50 Euro im Monat.
Business-on.de: Anstatt bei idivus könnte man die Daten auch in einem herkömmlichen Testament hinterlegen, oder?
Marco Hamburger: Es gibt sicherlich auch andere Möglichkeiten, die Daten an die Angehörigen weiterzugeben. Allerdings hat nach Umfragen nur jeder vierte erwachsene Deutsche überhaupt ein Testament. Bei den Jüngeren wird dieser Wert deutlich geringer sein. Daten jeweils aktuell auszudrucken und irgendwo zu deponieren erscheint mir eher umständlich und auch nicht sonderlich sicher. Die Daten bei idivus aktuell zu halten, geht einfach und schnell. Davon profitiert man auch selbst, solange man lebt, da immer alle Daten parat sind.
Business-on.de: Die Daten, die bei Ihnen hinterlegt werden, zählen zur Privatsphäre eines Menschen. Nicht ohne Grund schreiben die meisten Menschen sie nirgends auf. Wie können Sie für die Sicherheit der Daten garantieren?
Marco Hamburger: Die Sensibilität unseres Angebots ist uns vollkommen bewusst. Daher werden bei idivus die Daten mit AES-256 verschlüsselt. Das ist eine bisher ungebrochene Verschlüsselung, die auch in anderen hochsensiblen Bereichen Anwendung findet und unter Fachleuten als zurzeit sicherste gilt. Jeder Nutzer definiert selbst seinen Schlüssel. Nicht einmal idivus kann im Verlustfall helfen, an die Daten zu gelangen. Der Schwachpunkt jeder Verschlüsselung ist die sichere Aufbewahrung des Schlüssels. Dafür muss auch bei idivus jeder Nutzer selbst Sorge tragen.
Business-on.de: Herr Hamburger, Business-on.de dankt für das Gespräch.
(Alexandra Koch)
Tags:- idivus.com
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