13.07.2010  11:41 Uhr
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Hot Rod
Der Hot Rod

Berlin. Ein amerikanischer Traum. Die aufgemotzten Autos haben etwas ganz anderes an sich als Manta-Prolltum.

Auto = Freiheit

Der Amerikaner und sein Auto – den Satz findet man in abgewandelter Form über die Einwohner vieler Länder: der Italiener und sein Auto; das Auto: der Deutschen liebstes Kind... und ja,natürlich muss das Auto in Amerika eine wichtige Rolle spielen, ist es doch der Ausdruck individueller Freiheit und Mobilität – Eigenschaften, die man zumindest als Wunschtraum von Beginn an nach Amerika projiziert hat, seit man Nordamerika erschlossen hat, also.

Dieser europäische Traum von einer besseren neuen Welt wurde ist somit ein genuin amerikanischer Wert; ein Wert, mit dem die Landmasse schon semantisch besetzt war, bevor sonderlich viele Europäer das Gebiet jemals betreten hatten. Und außerdem ist das Auto auch noch Symbol der freien Marktwirtschaft, die man auch häufig mit Amerika verbindet – und das gar nicht unbedingt nur als idiotische yuppiehafte Anbetung des brutalen Kapitalismus oder als ebenso idiotisches antiamerikanisches Ressentiment einer verkürzten Kapitalismuskritik – letztlich sind individuelle und wirtschaftliche Freiheit in Amerika ja viel eher miteinander verbunden als im Land der Untertanen: Deutschland.

Die mobile Unabhängigkeitserklärung

Der heiße Ofen braucht natürlich ein hohes Maß an Kreativität und zugleich handwerkliches Können, denn ein linkisch aufgemotzter Wagen ist ja doch meist peinlich – es sei denn, das Design ist wirklich auf charmante Weise verunglückt. Der Auto-Umbau ist natürlich ein ersatzteillastiges Hobby - Ersatzteile gibt es unter anderem hier - erfordert aber auch höchst individuelle Lösungen zur Einzelanfertigung der Ausdrucksformen des persönlichen Stils. Der Hot Rod bleibt ein Auto für Individualisten, und das auch noch heute. Während das Auto in Deutschland Symbol der biederen Zeit des Wirtschaftswunders und der flächendeckenden Prosperität ist, geht es bei der amerikanischen Kultur des Autos vielmehr um die Erklärung der persönlichen Unabhängigkeit und individuellen Freiheit und nicht um die Feier der Sonnenseite des Abhängigkeitsverhältnisses der Wahlpflicht des Arbeitsplatzes (damals, zu Zeiten der Vollbeschäftigung konnte man sich immerhin seine Arbeitsstätte noch aussuchen und hatte einen Job sicher; man musste nur mitspielen).

Trotz aller Individualität haben sich bestimmte Praktiken des Hotroddings etabliert und gehören zum Standardrepertoire. Aber man kann ja auch nicht jedes Mal das Rad mitsamt Kappe neu erfinden. Seit in den 1940ern die Hotrodder ihr Werk begannen, basteln die Menschen besonders in Amerika an ihren Autos und gelten nach wie vor als Individualisten und Rebellen. Verarbeitet wurde die Materie auch in legendären Outcast-Filmen wie dem Klassiker American Graffiti, der von der Hot-Rod-Kultur inspiriert ist.



 

(ddp)

  • Tags:
  • Hot Rod
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