SERIE „KMU IM INTERNET" VON ANDREA DELP
Internet-Startup – ein Konzept mit Erfolg?
Berlin. Jeden Tag entstehen neue Ideen für ein Internet-Startup. Die meisten scheitern jedoch schon im Vorfeld an der Finanzierung – spätestens dann wenn erkannt wird, dass der Weg zum eigenen Startup keineswegs einfach ist. Nur eine Idee zu haben – das reicht noch lange nicht. Wer eine Chance hat und wer nicht, das zeigt eine erfahrene Beraterin auf.

Andrea Claudia Delp
Die Berliner Autorin ist Betriebswirtin und berät Gründer vor und nach der Existenzgründung.
Ihre Webseite bietet außerdem Wissen und Downloads für Gründer und junge Unternehmen: www.amaveo.de
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Erfolgskonzepte wie XING, studiVZ und viele andere machen neugierig und versprechen satte Einkommen. So sieht es manch Einer, der ein Internet-Startup plant. Voller Überzeugung von der eigenen Idee ist dann oft schnell ein Businessplan geschrieben und nicht selten kommt die Überraschung, wenn sich kein Investor für das Konzept finden will. Dabei liegen die Gründe dafür oftmals keineswegs in der Idee.
Die Geschäftsidee für ein Startup muss Hand und Fuß haben und Erfolge erwarten lassen; so viel ist klar. Ob eine Idee für eine neue Internetplattform Erfolg haben kann, ist oft im Vorfeld nur schwer einschätzbar. Aus diesem Grund ist es manchmal schwierig, überhaupt einen interessierten Investor zu finden; oft ist es sogar unmöglich. Wer kann, der sollte zunächst klein anfangen. Vorhaben, die nur auf dem Papier existieren, sind schwerer zu finanzieren, als Projekte, die in einer Kleinstversion schon erste Erfolge gezeigt haben. Warum das so ist, kann man leicht nachvollziehen: Der potentielle Investor muss dann nicht die Katze im Sack kaufen – zumindest die Ohren schauen schon heraus und der Investor hat dann eher Grund zu der Annahme, dass es am Ende wirklich eine Katze wird.
Der häufigere Grund für Ablehnungen bei Business Angels oder Investoren liegt allerdings nicht in der Geschäftsidee, sondern in der Person des Gründers oder des Gründerteams. Schon am Businessplan lassen sich oft Mängel erkennen: Das Konzept ist nicht durchdacht, wesentliche Aspekte wurden nicht berücksichtigt, die finanziellen Schätzungen sind unrealistisch und nicht nachvollziehbar. Diese und andere Fehler sind keineswegs eine Seltenheit. Auch wenn sich die finanzielle Entwicklung nicht genau abschätzen lässt: Wer etwa einen Businessplan abliefert, in dem keine Kosten für den Vertrieb berücksichtigt sind, muss einfach mit einer Ablehnung rechnen. Denn: Vertriebskosten gehören nun einmal dazu und das Vergessen dieser Position lässt darauf schließen, dass der Schreiber des Konzeptes die Sache unterschätzt.
Das Know-How der Gründer oder des Gründers ist ebenfalls ein wichtiger Stolperstein auf dem Weg zum Erfolg. Nur allzu häufig werden Konzepte für Startups von technisch versierten Softwareentwicklern abgegeben. Haben diese allerdings keinerlei wirtschaftliche Kompetenzen vorzuweisen oder kennen sich mit dem Marketing nicht aus, sind die Aussichten auf Erfolg eher schlecht. Ein erfolgreiches Startup braucht Kompetenzen in Sachen Technologie, Wirtschaft und vor allem im Marketing und Vertrieb. Auch Erfahrung in der anvisierten Branche ist ein wichtiger Baustein, auf den Investoren wert legen. Wer nicht alle Kompetenzen in einer Person vereinen kann, sollte deshalb besser nach einem Mitstreiter suchen, der die fehlenden Kompetenzen ergänzen kann und so für das nötige Know-How sorgen.
Typisch für unerfahrene Gründer ist auch, die falschen Ansprechpartner zu wählen. So ist es beispielsweise nicht angemessen, mit einem großen institutionellen Investor Kontakt aufzunehmen, wenn dieser ausschließlich Venture Capital zur Verfügung stellt. Venture Capital wird meist nur dann vergeben, wenn die Startphase des Unternehmens – also die Entwicklung der Software und die Präsenz auf dem Markt – bereits abgeschlossen ist. Dagegen ist am Anfang – also für die Entwicklung einer Plattform, eher ein so genannter Business Angel zuständig.
Wer ein Startup in Angriff nehmen will, tut gut daran, das Märchen vom Kapitalgeber, der als Goldritter in die verrücktesten Ideen investiert, schnell wieder zu vergessen. Investoren – Business Angels wie auch Venture Capitalists wollen letztlich Geld verdienen. Dabei investieren Sie nicht in verrückte Ideen, sondern in eine Idee, die marktfähig ist und gute Zukunftsperspektiven bietet und in Gründer, die erwarten lassen, dass sie die Idee zum Erfolg bringen können und das Geschäft im Griff behalten.
(Andrea Claudia Delp)
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Ich stimme dem Beitrag aus meiner bisherigen Erfahrung als Gründer voll und ganz zu. Es ist keine leichte Aufgabe ein Konzept für ein Web Startup so gut und ganzheitlich durchdacht aufzubauen, dass man einen Investor davon überzeugen kann. Was mich allerdings seit geraumer Zeit wundert ist, dass man ständig immer wieder Beiträge zu diesem Thema aus ZWEI völlig unterschiedlichen Perspektiven (oder wohl eher Welten) liest:
1) Unternehmensberater, insbesondere Gründungsberater
2) Die besonders erfolgreichen und bekannten Internet Startups
zu Nummer 1) brauche an dieser Stelle nicht viel sagen, wer diesen Artikel hier gelesen hat weiß, was ein Gründungsberater zu sagen hat und wo er Gründer wirklich unterstützen kann.
Punkt 2) ist für mich allerdings viel spannender und eigentlich unerklärlich, da die hierzulande bekannten und in den Medien am meisten gehypten "Web-Stars" noch keinen Cent verdient haben, insbesondere nicht deren Investoren. Für Deutschland gilt dies insbesondere für StudiVz, MeinVz und xyVZ, siehe hier: http://bit.ly/qxYUZ - Wer das liest, kann sich als Gründer doch nur fragen, wieso Unternehmensberater immer wieder das gleiche erzählen, wenn Investoren doch scheinbar wie im Falle von StudiVz gar nicht in erster Linie an Profit interessiert sind. Irgendwas läuft hier falsch. Das gleiche gilt übrigens für Unternehmen wie Youtube und Twitter, die ebenfalls noch kein Geld verdient haben und auch auf längere Sicht keines verdienen werden. Auch Mr. Zuckerberg von Facebook hält Wachstum für wichtiger als Umsätze. Entweder sind die Investoren dieser Unternehmen nicht ganz bei Sinnen, oder es gibt tatsächlich Ausnahmen, bei denen die klassischen Regeln des unternehmenerischen Wissens und Denkens außer Kraft gesetzt werden. Ich frage mich was die Unternehmensberater und Gründungsberater hierzulande dazu sagen. Gibt es plausible Antworten?
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