Kultur & Bildung
26. Lange Nacht der Museen
Berlin. Rund 60 Häuser zeigen bei der 26. Lange Nacht der Museen am 30. Januar 2010, dass sie per se auch forschende Einrichtungen sind. Wissenschaft – ganz im Humboldtschen Sinne – kann durchaus anschaulich und unterhaltsam sein.
Ein reiches Angebot mit Führungen, Performances und musikalisch-literarischen Darbietungen ergänzt wie gewohnt die Dauerausstellungen. Das Logistische Zentrum der Langen Nacht ist der Platz vor dem Roten Rathaus. Hier ist auch der zentrale Umsteigeplatz für die Shuttle-Busse, die auf fünf Routen die beteiligten Museen verbinden.
Zum Programm
Viele Museen stellen den wichtigen Forschungsbereich Restaurierung vor. Das Bode-Museum gewährt am Beispiel verschiedener Kunstwerke Einblick in den Restaurierungsalltag. Im Deutschen Historischen Museum zeigt ein Dokumentarfilm, wie Restauratoren die fast perfekte Fälschung eins Porträts der polnischen Königin Marie Josepha aufdeckten. Der Museumsdirektor begutachtet hier übrigens auch Lieblingsstücke der Besucher und ordnet sie kulturgeschichtlich ein. In der Gemäldegalerie ist zu erfahren, wie Röntgenbilder, Infrarotlicht und Neutronen bei der wissenschaftlichen Untersuchung von Gemälden eingesetzt werden. Zum ersten Mal öffnet auch das Rathgen-Forschungslabor seine Tore, das mit modernster Technik ermittelt, wie man Kunstwerke vor Schäden schützen, sie konservieren oder restaurieren kann.
Für Museen ist die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen Alltag. Die Sonderausstellung „Alfred Messel – Visionär der Großstadt“ in der Kunstbibliothek z. B. basiert auf gemeinsamen Forschungs-und Restaurierungsarbeiten mit der TU Berlin. Wie die Abgusssammlung Antiker Plastik der universitären Lehre und Forschung dient, thematisieren Führungen und Vorträge. Das Bröhan-Museum beweist in seinem gerade entstehenden Glas-Bestandkatalog: Glas ist eine Wissenschaft für sich. Ein Vortrag im Anne Frank Zentrum informiert über den wissenschaftlichen Streit, wie authentisch das berühmte Tagebuch eigentlich ist.
Besonders naturwissenschaftliche Sammlungen erhalten durch Forschungsexpeditionen kontinuierlich neuen Zuwachs. 2010 feiert das Museum für Naturkunde sein 200jähriges Bestehen. Wissenschaftler präsentieren die Forschungssammlungen und Hightech-Labore des Museums. In einer Sonderausstellung zur Tiefsee können Besucher in diesen noch weitgehend unerforschten Lebensraum eintauchen.
Museen sind häufig auch Vorreiter im Vermitteln wissenschaftlicher Erkenntnisse an die Allgemeinheit: Mitarbeiter des Planetariums am Insulaner erklären Schwarze Löcher und Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Das MachMit! Museum für Kinder macht erlebbar, was die Wissenschaft zu „Schlafen und Träumen“ herausgefunden hat. Ein Dokumentarfilm im Museum für Film und Fernsehen über einen unvollendeten Film mit der jungen Romy Schneider zeigt die mühsame Spurensuche eines Filmhistorikers nach verschollenem Filmmaterial. Im Kupferstichkabinett stellen beteiligte Wissenschaftler das ehrgeizige Forschungsvorhaben vor, in einem Online-Katalog sämtliche 4500 Zeichnungen Karl Friedrich Schinkels zugänglich zu machen. Eine abendliche Exkursion der Naturwissenschaftlichen Sammlung in Charlottenburg führt in das Revier der Waldkäuze, deren Balzzeit in vollem Gange ist.
Auch die Vermittlungsformen selbst entwickeln sich. Tüftler und Bastler entwerfen für das Jüdische Museum regelmäßig multimediale Anwendungen. In einem offenen Laborgespräch lassen sie sich auf die Finger schauen. Das Museum für Fotografie stellt wissenschaftliche Aspekte bei der Ausstellungsgestaltung anhand des Fotobuchprojektes „Sumo“ von Helmut Newton vor. „Der kalte Krieg im Kinderzimmer“ im DDR Museum ist als multimediale Reise in die Vergangenheit inszeniert. Die Mitmach-Aktion „Youtopic“ für das Deutsche Guggenheim – ein gemeinsames Projekt von Studenten und Professoren der Freien Universität Bozen zu Utopie und Design – funktioniert nur dank der Kreativität der Besucher. Eine Schülerfirma präsentiert im Museum für Naturkunde erstmals eine einzigartige Mineraliensammlung – das "Turmalinzimmer" mit 1000 tropisch-vielfarbigen madagassischen Turmalinscheiben.
In einigen Häusern kann man auch unmittelbar auf den Spuren Alexander von Humboldts wandeln. Das Märkische Museum zeigt die „Alexander von Humboldt Sammlung Hein“ mit originalen Druckwerken, Bildnissen und Briefen. Reisestudien aus Mittel- und Südamerika sind in der Sonderausstellung „Kunst um Humboldt“ im Kupferstichkabinett versammelt. Im Zoo Aquarium Berlin ist die farbenprächtige Meereswelt seiner Amerika- und Asienreisen zu entdecken.
Wie jedes Jahr gibt es auch abseits des Themas ein vielfältiges Programm: Stummfilme mit Stan Laurel und Oliver Hardy (Musikinstrumenten-Museum Berlin), ein Film über den Potsdamer Platz zwischen 1990 und 2000 mit 80.000 Bildaufnahmen im Zeitraffer (Berlinische Galerie), die szenische Lesung einer Stasiakte (Informations- und Dokumentationszentrum für die Stasi-Unterlagen), die traditionelle Ding-Sprechstunde, die den Wert mitgebrachter Dinge bestimmt (Werkbundarchiv – Museum der Dinge), eine gemeinsame "Fanzine"-Produktion mit Besuchern in der historischen Druckerei des Kreuzberg Museums u.v.m.
Zum ersten Mal dabei
Nach jahrelanger Sanierung und Restaurierung ist das jüngst eröffnete Schloss Schönhausen in Pankow und seine 350-jährige Geschichte zu erleben, darunter das Amtszimmer des ersten DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck. An der berühmten East Side Gallery, zu deren Sanierung 2009 über 100 Künstler aus aller Welt erneut nach Berlin kamen, kann man einigen Künstlern begegnen und selbst zum Maler werden.
Tickets
Online-Tickets gibt auf dem gemeinsamen Portal aller Berliner Museen www.museumsportal-berlin.de. Außerdem sind die Kombitickets in allen beteiligten Museen, den Theaterkassen, Berlin-Infostores, Fahrschein-Verkaufsstellen, Kundenzentren und an den Fahrscheinautomaten der S-Bahn Berlin und der BVG (an den Automaten keine ermäßigten Tickets) erhältlich. Das Kombiticket gilt für den Besuch aller Veranstaltungen, für die Benutzung der Shuttle-Bus-Routen und für die An- und Abreise mit der BVG und S-Bahn im Tarifbereich ABC (gültig von 15.00 bis 5.00 Uhr). Das Kombiticket kostet 15,00 / erm. 10,00 €. Für Kinder bis 12 Jahre ist der Eintritt frei.
26. Lange Nacht der Museen
Sonnabend, 30. Januar 2010, 18.00 bis 2.00 Uhr
Alle weiteren Informationen finden Sie unter: www.lange-nacht-der-museen.de
(Redaktion)
Tags:- Berlin
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