Tarifkonflikt
An Unikliniken drohen Streiks - Marburger Bund bricht Tarifverhandlungen ab
Berlin. An deutschen Unikliniken könnten ab November Tausende Ärzte die Arbeit niederlegen.
Die Gewerkschaft Marburger Bund erklärte die seit rund zwei Monaten andauernden Tarifverhandlungen über die Bezahlung für rund 20.000 Universitätsärzte am Freitag für gescheitert und kündigte eine Urabstimmung über Arbeitskampfmaßnahmen an.
Die Verhandlungen seien an der "völlig unzureichenden Kompromissbereitschaft" der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) gescheitert, erklärte der Erste Vorsitzende des Marburger Bunds, Rudolf Henke, in Berlin. Anstatt ein faires Angebot vorzulegen, hätten die Arbeitgeber versucht, der Gewerkschaft ein Tarifdiktat aufzuzwingen.
Die TdL weigere sich, Ärzte in Unikliniken mit Ärzten in privaten oder kommunalen Klinken gleichzustellen. Obwohl der letzte Tarifabschluss zweieinhalb Jahre zurückliege, werde jede substanzielle Verbesserung der Tarifsituation abgelehnt, sagte Henke. Stattdessen verlangten die Arbeitgeber, dass Ärzte Gehaltssteigerungen durch längere Arbeitszeiten oder Verzicht auf Urlaubstage selbst finanzieren sollten.
Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Gehalt, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie bessere Bezahlung von Nachtdiensten. Im Vergleich zu bei privaten Trägern beschäftigten Fachärzten seien die Kollegen an Uniklinken eklatant unterbezahlt, argumentierte Henke. Der Unterschied betrage 8,7 Prozent. Die Einstiegsgehälter der Uni-Ärzte lägen bis zu vier Prozent unter dem Tarifniveau anderer Klinikträger.
"Unikliniken abgehängt"
Henke warnte vor diesem Hintergrund vor einem Verlust an hochqualifitiertem Personal. "Die deutschen Universitätskliniken drohen den Wettbewerb um die besten Köpfe zu verlieren", sagte Henke. 2010 hätten in 20 Prozent der Klinikabteilungen vier oder mehr Arztstellen nicht besetzt werden können. Tarifpolitisch seien die Unikliniken abgehängt.
Das Problem sei, dass die Klinikdirektoren zwar um diesen drohenden Wettbewerbsverlust wüssten, bei den Tarifverhandlungen aber nicht mit am Tisch säßen. Die Entscheidung obliege viel mehr einer Gruppe von Verwaltungsdirektoren, die "absolut realitätsfern" seien und die Arbeitsabläufe in einer Klinik lediglich aus der Perspektive eines Kranken von innen gesehen hätten.
Die Mitglieder des Marburger Bundes sind ab 7. Oktober zur Urabstimmung über unbefristete Streiks aufgerufen. Bei einer Mehrheit müssen sich die Klinken ab 7. November auf Streiks einstellen.
(dapd)
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